Vereinsgründer Pfarrer Rauscher

Am 19. Juni 2016 hätte er seinen 100sten Geburtstag gehabt. Aus diesem Anlass feierte unser Verein Freunde der Heilkräuter am 18. Juni dieses Jahres ein Kräuterfest. Vieles über den Gründer unseres Vereines ist unseren langjährigen Mitgliedern und Ringelblume-Lesern geläufig, daher hier nur einige Stationen im Leben des Karl Rauscher.

Karl Rauscher: Ein Pionier seiner Zeit

1946 zum Priester geweiht, übernahm er 1953 die Pfarre Münchreith bei Karlstein, nahe seinem Heimatort Engelbrechts bei Kautzen. In der Pfarre lag manches im Argen, und Rauscher packte an. Er renovierte die Pfarrkirche und brachte Ordnung in den bis dahin sehr ungeordneten Friedhof. Mit der Anstellung einer Pastoralassistentin, der Einführung des Volksaltars, der Samstag-Abendmesse, mit Mädchen als Ministrantinnen war er ein Pionier und seiner Zeit oft voraus. Um die Jugend zu gewinnen, sollte mindestens einmal im Monat eine „rhythmische“ Messe sein, sowohl in der Pfarrkirche als auch in der Filialkirche Karlstein.

DER SEELSORGER KARLSTEINS

Sein besonderes Augenmerk galt dem zuvor von der Seelsorge eher vernachlässigten Markt Karlstein, in dem allein die Hälfte der Pfarrbevölkerung wohnt. Karlstein war auch damals schon ein Industrieort mit der Uhrmacherfachschule (heute HTL für Mechatronik). Rauscher hielt Karlstein wie eine eigene Pfarre und rieb sich dabei auf. Zu den hohen Festtagen, die er jeweils doppelt zelebrierte, kam er oft an seine Grenzen. Um hier auch persönlich präsent zu sein, baute er kurzerhand privat ein eigenes Pfarrhaus, ohne deswegen den Pfarrhof in Münchreith zu vernachlässigen.
1977 hielt Maria Treben in St. Pölten einen Vortrag über Heilkräuter, an dem Rauschers Pastoralassistentin Schwester Luise teilnahm. Nachdem sie dem Pfarrer darüber begeistert erzählt hatte, lud dieser Frau Treben zu Vorträgen nach Karlstein ein. Aufgrund des großen Interesses wurde daraus die Broschüre „Gesundheit aus der Apotheke Got­tes“, die bald in Millionenauflage in Österreich und Deutschland Verbreitung fand. In der Not, diese Lawine zu bewältigen, gründete Rauscher den „Verein Freunde der Heilkräuter“ (25. Juni 1978), der im Nu mehrere tausend Mitglieder zählte. Man erkannte aber bald, dass die Treben-Broschüre bei allem Enthusiasmus fachlich problematisch war. Daher veranlasste Rauscher ein sachlicheres und umfassenderes Kräuterbuch, das sog. „grüne Buch“. Weiters galt sein besonderes Augenmerk der Radiästhesie.

EIN WEGBEGLEITER HERMANN-JOSEF WEIDINGERS

Doch mitten hinein kam Rauschers Unfallstod am 21. Nov. 1979. Wenige Tage vorher hatte er noch die Neugestaltung der Karlsteiner Kirche zum Abschluss gebracht. Und schon sah man ihn wieder im Arbeitsgewand – am Paracelsushaus, der neuen Heimstätte des jungen Vereines, das bald zur Wirkungsstätte von Kräuterpfarrer Hermann-Josef Weidinger werden sollte. Rauscher war damit zu dessen Wegbereiter geworden. Als Zeichen des Dankes widmete ihm Weidinger den Karl-Rauscher-Stein vor dem Paracelsushaus.